Technischer Einsatz
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Hochwasser in Pflach
Datum / Uhrzeit 22.08.2005 - 14.09.2005
Alarmierung: Piepser, Sirene
Einsatzmeldung: Hochwasser in Pflach
Einsatzort: Gesamtes Ortsgebiet
Fahrzeuge / Mannschaft: TLFA, LF-B, - 25 Mann
Weitere Einsatzkräfte: Feuerwehren aus dem Bezirk; Oberland, Öberösterreich
Rotes Kreuz, Bundesheer, und Hunderte freiwillige Helfer
Einsatzdauer: von: 22.08.2005 - 18.00 Uhr bis: Ende September

BERICHT: Hochwasser 22. - 24. August

Am Montag, den 22. August wurden die Anliegergemeinden des Archbachs und die Fa. Plansee vom E-Werk Reutte informiert, dass Aufgrund der schlechten Wettervorhersagen der Plansee sicherheitshalber abgesenkt wird, aber gegen Abend trotzdem mit Überflutungen gerechnet werden muss. Im Tagesverlauf verzeichneten wir intensive Regenfälle, die wir normalerweise nur von Gewitterregen kannten. Nur kam diesmal von Stunde zu Stunde immer mehr Wasser vom Himmel.

Der Kommandant, sein Stellvertreter und vier weitere Kameraden waren seit 17:00 Uhr unterwegs, um die Pegelstände von Arche, Lech und den kleineren Gewässern zu kontrollieren.

Gegen 21:00 Uhr musste im Ortsteil Wiesbichl ein Bach in Richtung der Landesstrasse umgeleitet werden, da er drohte, die Siedlung zu fluten.

Ab 23:00 Uhr konnten wir ein stetiges Ansteigen des Lechs verzeichnen. Die nach dem Jahrhunderthochwasser 1999 errichteten Dämme (3 Mio. Euro) gaben uns jedoch die Zuversicht, dass ein ähnliches Szenario wie 1999 nicht mehr eintreten würde.

Wir konnten jedoch nicht erahnen, dass es noch viel schlimmer kommt.

Am Dienstag, den 23. August um 0:30 Uhr drohte der Lech den Damm im Gewerbegebiet zu überfluten. Dieser wurde im Bereich des Innovations-Zentrums offensichtlich zu nieder geplant.

Um 0:32 Uhr alarmierte der Kommandant die restlichen Mitglieder der Feuerwehr mittels Sirenen und Piepser. Der Damm wurde durch intensiven Einsatz von LKWs und Baggern um ca. 1 Meter erhöht um die Gefahr einer Überflutung in diesem Bereich zu verhindern.

Gegen 02:00 Uhr errichteten wir im Bereich des Parkplatzes beim alten Gemeindehaus einen Sandsackfüllplatz. Viele Gemeindebürger kamen um uns beim Befüllen der 1.200 vorhandenen Säcke zu helfen. Nachdem ca. 1.000 Säcke fertig waren, kam die erste Hiobsbotschaft.

In ca. 150 Meter Entfernung drohte der Damm zu brechen. Um dies zu verhindern, wurden die Feuerwehren Musau und Pinswang um Nachbarschaftshilfe gebeten. Weiters forderten wir Sandsäcke aus dem Bezirkskatastrophenlager an, es waren zu diesem Zeitpunkt nur mehr 500 Stk. verfügbar.

Ein Brechen des Dammes konnte zunächst durch den intensiven Einsatz verhindert werden. Nach ca. 1 Stunde entstand in einem Bereich, wo das fließende Wasser des Lechs auf das ruhigere Wasser traf, ein Strudel, der den Damm langsam von außen nach innen abgegraben hatte, bis er schließlich auf einer Länge von 20 Metern zusammenbrach. Zeitgleich, rund 300 Meter Arche aufwärts, war der Damm im Zuge von vorhergehenden Baumaßnahmen stark geschwächt worden und gab schließlich den Wassermassen nach.

Innerhalb von 10 Minuten wurden rund 30 Häuser bis zu 3,5 Meter hoch geflutet. Die tiefer liegenden Bewohner konnten noch fast alle evakuiert werden. 20 Personen mussten allerdings durch die vorsorglich alarmierte Wasserrettung Reutte aus ihren Häusern befreit werden.

Inzwischen musste leider auch die Feuerwehrhalle aufgegeben werden. Denn das Wasser blieb auch hier nicht stehen.

Fast zeitgleich zu den Überflutungen im Unterdorf spitzten sich die Ereignisse im Gewerbegebiet zu. Der Archbach weißte zwar das gleichen Niveau wie 1999 auf, der Lech führte zu diesem Zeitpunkt jedoch um vieles mehr an Wasser heran als beim letzten Mal. Der Pegel stieg innerhalb von 35 Minuten um über 30 cm an und überflutete schlussendlich gegen 06.30 Uhr die 350 cm hohe Hochwasserschutzmauer. Weitere 20 Häuser und Gewerbebetriebe wurden überflutet.

Zu diesem Zeitpunkt konnte man nur mehr ein allgemeines resignieren der Hilfskräfte und Einwohner feststellen.

Folgende Gebäude standen zu diesem Zeitpunkt teilweise meterhoch unter Wasser:

IC-Reutte mit Restaurant, zwei Kfz-Betriebe, ein Entsorgungsbetrieb, eine Installationsfirma, zwei Spenglereien, der Wertstoffhof, ein Hausmeisterservice; Volksschule und Kindergarten mit angebautem
Tennis - Clubräumen, zwei Kinderspielplätze, die Feuerwehrhalle; Die Gebäude des Sportvereines: Fußballerheim, Vereinsheim der Eisschützen; das Agrarhaus, eine Fischerhütte; 42 Wohnhäuser und Wohnungen und über 20 Garagen.

Da die Wettervorhersagen und Pegelstände kein weiteres Ansteigen meldeten, entschloss sich der Kommandant die inzwischen übermüdeten Helfer nach Hause zu schicken, damit sie nach absinken des Wassers wieder voll einsatzfähig sind.

Um 17:00 Uhr wurden die Mitglieder der Feuerwehr mittels Piepser wieder alarmiert, da man bei den ersten Gebäuden mit den Aufräum- und Auspumparbeiten beginnen konnte. Auch hier unterstützten uns Kameraden der umliegenden Wehren.

Ab diesem Zeitpunkt begann auch der tagelange Kampf gegen den Schlamm, das Heizöl und die Verwüstungen, die die Wassermassen hinterlassen hatten.

Am 24. August konnten wir gegen 08:00 Uhr in der Früh erstmals zu unserer Halle vordringen. Allerdings nur mittels Radlader, da der Zufahrtsweg fast einen Meter unter Wasser stand. Auch hier bot sich ein Bild der Verwüstung. Das gesamte Inventar war bis zu einer Höhe von 2,35 Meter in den Wassermassen untergegangen. Auf der Florianstation war ein dicker Schlammteppich. Zwei Kameraden begannen hier mit den Aufräumarbeiten, um schnellstmöglich einen Notbetrieb aufnehmen zu können.

Inzwischen waren auch die ersten Bundesheereinheiten eingetroffen, um bei den Aufräumarbeiten tatkräftig mitzuhelfen.

Gegen 10:30 Uhr desselben Tages kam der nächste Schock. Die Polizeiinspektion Reutte informierte uns über Piepser: „Im Gewerbegebiet Pflach sind bei einem Entsorgungsbetrieb vermutlich mehrere tausend Liter Öl ausgetreten“.

Hier war ein Tank mit Öl umgestürzt und ca. 3.000 l hatten sich im Gewerbegebiet und auf das angrenzende Wohngebiet verteilt. Da wir noch intensiv mit Auspumparbeiten und Aufräumarbeiten beschäftigt waren, wurden die Feuerwehren Reutte, Musau und Vils nachalarmiert.

Da nur schwimmfähiges Ölbindemittel in Einsatz gebracht werden konnte, war hier relativ schnell ein Engpass zu verzeichnen. Deshalb mussten größere Mengen Bindemittel aus der Landesfeuerwehrschule mittels Bundesheerhubschrauber eingeflogen werden. Der Öl-Einsatz erstreckte sich bis zu den Abendstunden. Es konnten das meiste Öl gebunden und entsorgt werden. An einigen Gebäuden entstand durch das Öl großer Schaden, zwei Häuser müssen nach derzeitigem Stand abgerissen werden.

Am Donnerstag, den 25. August, gegen Abend wurden wir informiert, dass Feuerwehrmänner aus Haid (Bezirk Perg OÖ), eingetroffen sind und noch weitere Kameraden aus Schwertberg und Aisting-Furt (Bezirk Perg OÖ) auf dem Weg zu uns sind, um uns bei den Aufräumarbeiten tatkräftig zu unterstützen.

Diese Kameraden wurden von uns freudig begrüßt und wir konnten es zunächst gar nicht fassen, wie viel Ausrüstung sie dabei hatten.

Angefangen von Feldbetten mit Schlafsäcken und Zelt über Tauchpumpen, Hochdruckreiniger, Nasssauger und natürlich auch Handgerät zur Grobreinigung hatten sie alles mit, um uns nicht zur Last zu fallen. Selbst Elektriker waren mit dabei. Diese konnten im Falle unserer Halle wahre Wunder vollbringen, sodass wir am Freitag einen Notbetrieb aufnehmen konnten. Jetzt waren wir auch wieder in der Lage, defekt gewordenes Gerät schnellstmöglich zu reparieren, um es wieder in den Einsatz bringen zu können.

Den Höhepunkt der Hilfsbereitschaft konnten wir am Samstag, den 27. August erleben. Wenn man durch Pflach fuhr, glaubte man sich in einem Ameisenhaufen zu befinden. Unwahrscheinlich wie viele Feuerwehren, Vereine und Privatleute sich spontan entschlossen hatten, tatkräftig bei den Aufräumarbeiten mitzuhelfen. Es mussten sogar vielen die auch noch kommen wollten, abgesagt werden, da man sich sonst nur gegenseitig im Weg gestanden wäre.

Die Aufräumarbeiten waren selbst bis Mitte September noch nicht abgeschlossen und es werden sicher noch Monate vergehen, bis endgültig ein Schlussstrich gezogen werden kann.

Das Wichtigste für uns ist die Tatsache, dass weder Einwohner noch Hilfskräfte bei diesem Jahrhunderthochwasser verletzt oder gar getötet wurden. Über die psychischen Schäden wollen wir uns kein Urteil erlauben, sie werden aber zweifellos eingetreten sein.

Die Zusammenarbeit zwischen allen Hilfsorganisationen war vom Beginn an wirklich vorbildlich.

Die zahlreichen Helfer wurden von Mittwoch bis Samstag vom Roten Kreuz - Ortsstelle Reutte versorgt. Sogar Sonderwünsche muslimischer Helfer (Asylanten!) wurden erfüllt.

Wir möchten uns auch auf diesem Wege bei allen, die bei dieser Katastrophe mitgeholfen haben, auf das herzlichste bedanken.

Aber speziell auch beim Bundesheer. Ohne diese Kameraden wäre es undenkbar gewesen, die Aufräumarbeiten so rasch durchzuführen.

Eines jedoch sei hier erlaubt noch zu bemerken.

Wenn den eingesetzten Kräften nur ein Bruchteil jener modernen Geräte zur Verfügung stehen würde die für Auslandseinsätze in einem riesigen Lager in der Nähe von Wien gehortet werden, wäre die Hilfe wohl um einiges effektiver gewesen.

Statt die Pioniere in Schwaz - Tirol aufzulassen, wie es unser Verteidigungsminister erst kürzlich bei einem Tirolbesuch angekündigt hat, sollte man nochmals darüber nachdenken ob die wohl notwendige Heeresreform hier nicht an der falschen Stelle den Hebel ansetzt!

Hochwasser 2005

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